Francigena 2018 - Susanne Steidl

Pilgern – meinem Selbst näher kommen!

Ich bin noch immer ganz beseelt von meiner Pilgerwanderung auf der Francigena in der Toskana. Ich durfte im September mit einer Gruppe auf der wunderschönen Strecke von San Miniato bis Siena unterwegs sein. Gerne möchte ich dich in diesem Blogbeitrag an meinen Eindrücken und Erkenntnissen teilhaben lassen, denn für mich ist das Pilgern ein schöne und zugleich herausfordernde Möglichkeit meinem Selbst näher zu kommen.

In einerFrancigena Pilgerwanderung ist für mich die Essenz des Lebens enthalten: aufbrechen, unterwegs sein, mit Unerwartetem zurechtkommen, am Ziel ankommen, sich ausruhen, feiern, … um sich am nächsten Tag wieder auf ein Neues auf den Weg zu begeben. Mehr ist nicht zu tun und dennoch ist der Tag ausgefüllt. Ausgefüllt mit dem Wahrnehmen der Landschaft und des Weges, mit dem Wahrnehmen der eigenen Gedanken und Gefühle und mit dem Wahrnehmen des Körpers und des Atems.

Sein & Ankommen

Vieles was uns sonst im Leben beschäftigt und zugleich auch von uns ablenkt, fällt beim Pilgern weg: Die Arbeit, die Familie, das Putzen, das Einkaufen, das Organisieren, das Erreichbar sein (sofern du das Handy ausgeschaltet hast). Was bleibt übrig?

Ich, der Weg, das Ziel. Das Sein und das Ankommen.

Das Leben ist für mich ein Wechselspiel zwischen Sein & Ankommen, zwischen Empfangen und Tun. Auf einer Pilgerwanderung erlebe ich dieses Wechselspiel viel deutlicher, als im Alltag und ich erkenne in welcher Balance sich mein Sein & Tun befindet.

Nehme ich mir Zeit,

  • die Landschaft zu betrachten?
  • um stehenzubleiben und in den Himmel zu schauen?
  • über eine Blume am Wegesrand zu staunen?
  • um mit jemanden ein paar nette Worte zu wechseln?

Lasse ich mich und mein Herz wirklich von den wunderschönen Eindrücken berühren?

Oder neige ich dazu, blindlings dahinzulaufen? Bin ich vor allem damit beschäftigt mein Ziel zu erreichen? Daran zu denken, wie viele Stunden und Kilometer ich noch zu gehen habe?

Beides begegnet einem beim Pilgern.

Besonders wenn es mühsam wird, wenn die Kräfte erschöpft sind, dann hilft es, den Blick geradeaus zu richten, nur auf den nächsten Schritt, Ein- und Auszuatmen, im Takt zu gehen, sich auf das Gehen, auf das Ziel zu konzentrieren, sich nicht von den Gedanken ablenken zu lassen: es ist zu weit, es ist zu heiß, es ist zu kalt, es ist zu steil, …..was auch immer einem grad zu schaffen macht.

So ist es die Art und Weise wie ich gehe, wie ich bin, wie ich mein Ziel anstrebe, die mir neue Erkenntnisse über mich selbst eröffnet.

Annehmen was ist!

Das ist für mich eine der Königsdisziplinen beim Pilgern. Denn es gibt nicht nur herrliche Ausblicke, sondern auch öde Landschaften, es gibt nicht nur Sonnenschein, sondern auch Regen und Hitze, es gibt nicht nur flache, angenehme Wege, sondern auch steinige und steile Pfade.

Mit dem allem heißt es zurechtzukommen. Jeder Widerstand macht sich sofort bemerkbar. Und auch, dass er umsonst ist. Denn der Weg ist zu gehen, wie er ist. Er ist trotz allem zu gehen.

Auch wenn es heiß ist, ich gehe. Auch wenn der Weg steil ist, ich gehe. Auch wenn es anstrengend ist, ich gehe. Und ich erfahre: es ist machbar und es geht vorbei.

Wie packe ich meinen Rucksack?

Wie jemand seinen Rucksack packt, gibt Aufschluss darüber, in welcher Art und Weise jemand das Leben angeht. Wenn du das nächste Mal zu einer Wanderung aufbrichst, beobachte dich dabei, was du so alles in deinem Rucksack gibst.

Wenn du mehrere Tage am Stück, vielleicht sogar Wochen unterwegs bist, dann ist es essentiell, wie dein Rucksack gepackt ist. Du alleine wirst ihn tragen. Du selbst bist es, der sich zu viel auflädt oder es sich auch zu leicht macht.

Es gibt Menschen, die immer alles und manchmal auch zu viel mit dabei haben. Der Rucksack ist prall gefüllt und schwer. Wenn du dazu neigst, kannst du dir diese Fragen stellen:

  • Auf was könntest du verzichten?
  • Wie könntest du es dir leichter machen?
  • Wie schaffst du es mehr zu vertrauen?
  • Was darfst du loslassen?

Dann gibt es noch die Minimalisten. Die haben wenig mit, oft zu wenig. Sie vertrauen darauf, dass andere das mithaben, was sie selbst benötigen. Sie gehen natürlich viel leichter durchs Leben, haben aber oft nicht gelernt, ausreichend gut für sich zu sorgen. Wenn du eher ein Minimalist bist, dann kannst du dir diese Fragen stellen:

  • Auf was solltest du auf keinen Fall verzichten?
  • Was brauchst du unbedingt, wenn du mal alleine zurechtkommen musst?
  • Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen?
  • Was brauchst du, um dich wohl zu fühlen?

Bei jeder Pilgerwanderung wird mein Rucksack kompakter und klarer. Jedes Mal erkenne ich, auf was ich noch hätte verzichten können und was noch gefehlt hat.

Pilgern, vielleicht auch etwas für dich?

Such dir einen schönen Abschnitt auf einem Pilgerweg aus. Zum Beispiel den Jakobsweg, der auch quer durch Südtirol führt. Ein Pilgerweg ist etwas anders, als ein reiner Wanderweg. Ein Pilgerweg trägt die Energie der Pilger in sich und wird dir diese Energie auch wieder zuteil werden lassen. Vielleicht willst du zu Beginn auch nur für ein oder zwei Tage unterwegs sein. Auch in dieser kurzen Zeit, wirst du die Essenz des Pilgerns erfahren können.

Hier zwei Pilger-Links für dich: http://www.jakobsweg.it/jakobsweg.html und https://www.viefrancigene.org/de/

Voraussichtlich biete ich nächstes Jahr wieder eine Pilgerwanderung an. Wenn du darüber informiert sein willst, kannst du meinen monatlichen Newsletter abonnieren. Dort findest du interessante Blogbeiträge, wie auch all meine Veranstaltungen.

Ich wünsche dir von Herzen eindrucksvolle Erfahrungen auf dem Weg zu dir selbst!

Deine Susanne